Schloss & Schlüssel
Ein Riegel, den nur sein Schlüssel löst
Tafel
- 1Riegel
- 2Schlosskasten
- 3Fallstifte
- 4Löcher im Riegel
- 5Schlüssel
- 6Zapfen des Schlüssels
Anatomie
Ein Schloss hält einen Riegel fest, bis ein Schlüssel der richtigen Form ihn freigibt. Hölzerne Stiftschlösser waren im Alten Orient in Gebrauch, und dasselbe Prinzip, im 19. Jahrhundert verfeinert, arbeitet heute in den meisten Schließzylindern.
Was es ist
Ein Schloss hält eine Tür, einen Deckel oder eine Kette geschlossen, und ein Schlüsselschloss soll sich nur mit dem passenden Schlüssel öffnen lassen. Jedes Schlüsselschloss besteht aus einem Riegel, der verschließt, einer Sperre, die den Riegel festhält, und einem Schlüssel, dessen Form die Sperre aufhebt.
Die Tafel zeigt das hölzerne Stiftschloss, das oft ägyptisches Schloss genannt wird. Es kommt ohne Metall und ohne Feder aus und funktioniert doch schon wie ein moderner Stiftzylinder.
Wie es funktioniert
Der Schlosskasten ist ein Holzblock an der Innenseite der Tür. Durch einen Kanal in seinem unteren Teil gleitet ein vierkantiger Riegel, dessen Ende in ein Loch im Türpfosten greift. Der Riegel ist hohl, und seine obere Wand hat eine Reihe von Löchern. Darüber hängen lose Holzstifte in senkrechten Bohrungen des Kastens. Schiebt man den Riegel vor, fallen die Stifte durch ihr eigenes Gewicht in die Löcher und sperren ihn.
Der Schlüssel ist eine lange, flache Leiste mit Zapfen, die genauso angeordnet sind wie die Löcher. Man schiebt ihn in die Höhlung des Riegels und hebt ihn an. Die Zapfen drücken die Stifte nach oben, bis ihre Unterkante mit der Oberseite des Riegels abschließt, und der Riegel lässt sich samt Schlüssel zurückziehen. Sitzt ein Zapfen falsch, bleibt mindestens ein Stift im Loch.
Beim Buntbartschloss lassen die Einschnitte im Bart den Schlüssel an den festen Besatzungen vorbeidrehen.
Spätere Schlösser sperrten den Riegel mit anderen Teilen. Ein Buntbartschloss hat feste Hindernisse, die Besatzungen, auf dem Weg des sich drehenden Schlüssels, und nur ein Schlüssel mit Einschnitten an den richtigen Stellen dreht sich weit genug, um den Riegel zu schieben. Ein Zuhaltungsschloss enthält einen Stapel schwenkbarer Zuhaltungen, die alle genau auf die richtige Höhe gehoben werden müssen, bevor der Riegel passieren kann.
Der moderne Stiftzylinder behält die Idee von Stiften, die der Schlüssel auf eine bestimmte Höhe heben muss. Ein Messingkern dreht sich in einem festen Gehäuse. Fünf oder sechs Stiftpaare, von kleinen Federn nach unten gedrückt, ragen über die Grenze zwischen beiden Teilen und blockieren den Kern. Die Einschnitte des Schlüssels heben jedes Paar so an, dass die Trennstelle zwischen Kernstift und Gehäusestift genau auf dieser Grenze, der Scherlinie, liegt, und der Kern dreht sich.
Wie man es baut
Ein hölzernes Stiftschloss ist ein gutes Wochenendprojekt für eine Kiste oder einen Schrank. Mit etwas Geduld öffnet man es auch ohne Schlüssel, es ist also ein Anschauungsstück.
Den Riegel bauen. Nehmen Sie eine Hartholzleiste von 40 mm Breite, 45 mm Höhe und 40 cm Länge. Fräsen Sie in die Unterseite eine Nut von 20 mm Breite und 30 mm Tiefe, vom inneren Ende bis über die Mitte hinaus, und leimen Sie darunter eine dünne Leiste, sodass ein Kanal entsteht. Die 15 mm Holz über der Nut bilden die obere Wand. Bohren Sie drei oder vier Löcher von 10 mm in unregelmäßigen Abständen hindurch.
Den Kasten bauen. Fertigen Sie einen Block mit einem vierkantigen Kanal, durch den der Riegel gleitet: vorbohren und mit dem Stechbeitel ausstemmen oder den Block aus vier Brettern um den Riegel herum verleimen. Bohren Sie bei geschlossenem Riegel senkrecht durch den Block bis in die Riegellöcher, damit alles fluchtet. Schneiden Sie für jedes Loch einen Stift aus 10-mm-Rundholz und leimen Sie nahe seinem oberen Ende einen kurzen Bund aus dickerem Rundholz an: So fällt er durch die obere Wand des Riegels und nicht weiter. Sein unteres Ende muss bündig mit der Decke des Kanals abschließen, sonst geht der Schlüssel nicht hinein. Weiten Sie die Bohrungen im Kasten oben für den Bund auf und leimen Sie einen Deckel auf, damit die Stifte im Kasten bleiben.
Den Schlüssel bauen. Hobeln Sie eine flache, etwa 10 mm dicke Leiste, die leicht im Kanal gleitet. Leimen Sie Rundholzzapfen im Abstand der Löcher ein, jeder 15 mm hoch und damit genau so hoch, wie die obere Wand dick ist; Leiste und Zapfen lassen beim Einschieben 5 mm Luft unter der Kanaldecke. Hebt man die Schlüsselleiste bis an die Decke, füllen die Zapfen die Löcher und drücken die Stifte knapp über den Riegel. Lassen Sie über den Bunden genug Platz, damit die Stifte so weit steigen können.
Einbauen und prüfen. Die Stifte fallen durch die Schwerkraft, also gehört der Kasten an eine senkrechte Fläche, etwa die Innenseite einer Schranktür, mit senkrecht hängenden Stiften; das Riegelloch wird in den Rahmen gestemmt. Bedienen Sie das Schloss von innen oder schneiden Sie daneben eine Öffnung für die Hand. Schleifen Sie die Stifte, bis sie frei fallen, und wachsen Sie den Riegel.
Sicherheit. Spannen Sie das Werkstück vor dem Sägen oder Bohren ein, halten Sie beide Hände hinter der Schneide von Stechbeiteln und tragen Sie beim Bohren oder Fräsen eine Schutzbrille. Bauen Sie ein selbst gemachtes Schloss nie an eine Tür, die im Notfall schnell aufgehen muss, etwa einen Notausgang oder ein Badezimmer.
Geschichte und Entwicklung
Schlösser sind schwer zu datieren, weil Holz selten erhalten bleibt. Der französische Ausgräber Paul-Émile Botta fand im Palast des assyrischen Königs Sargon II. in Chorsabad ein Tor, das mit einem großen hölzernen Stiftschloss verschlossen war, und Austen Henry Layard barg in Ninive einen Bronzeschlüssel derselben Form. Oft heißt es, das Schloss von Chorsabad sei 4000 Jahre alt, doch der Palast stammt aus dem 8. Jahrhundert v. Chr., und der Archäologe D. T. Potts hat gezeigt, dass diese Zahl auf einen falsch gelesenen Katalog zurückgeht. Er vermutet außerdem, dass ältere mesopotamische Omentexte bereits Riegel, Stifte und Schloss benennen; dann wäre die Bauart älter als jedes erhaltene Stück. Der Name „ägyptisches Schloss“ kommt von seinem langen Gebrauch in Ägypten, wo es noch im 19. Jahrhundert alltäglich war.
Römische Schlüsselringe öffneten kleine Kästchen; die Schlitze im Bart ließen ihn an den Besatzungen im Schloss vorbei.
Griechische Autoren kannten Schlüssel mit mehreren Zähnen, und römische Schmiede fertigten das Schloss aus Eisen und den Schlüssel aus Bronze, fügten Besatzungen hinzu und bauten Vorhängeschlösser. Kleine römische Schlüssel wurden oft als Fingerringe gefertigt, wohl um Kästchen und Schmuckschatullen statt Türen zu öffnen; römische Kleidung hatte keine Taschen, und ein Schlüssel am Finger war sicher und stets zur Hand. In Colchester wurde ein Holzkästchen in einem Grab beigesetzt, in dessen Schloss der Schlüsselring noch steckte. Mittelalterliche Schlösser waren meist Buntbartschlösser, oft reich verziert, und mit einem dünnen Werkzeug leicht zu überwinden.
Im Stiftzylinder bringt der Schlüssel jede Trennstelle zwischen den Stiften auf die Scherlinie.
In England patentierte Robert Barron 1778 das doppelt wirkende Zuhaltungsschloss. Joseph Bramah ließ sich 1784 ein Zylinderschloss mit Schiebeplättchen patentieren und setzte später eine Belohnung für jeden aus, der das Exemplar in seinem Londoner Schaufenster öffnen würde; meist wird diese Herausforderung auf 1790 datiert, die im Science Museum erhaltene Tafel trägt jedoch das Datum 1801. Dem amerikanischen Schlosser Alfred Hobbs gelang das während der Weltausstellung 1851 in London, nach rund 51 Stunden Arbeit, verteilt auf 16 Tage. 1818 versah Jeremiah Chubb das Zuhaltungsschloss mit einem Detektor: Eine zu hoch gehobene Zuhaltung blockierte das Schloss und verriet den Einbruchsversuch. Abraham Stansbury erhielt 1805 in England ein Patent auf ein Stiftschloss, und Linus Yale sen. ließ sich in den 1840er-Jahren in den Vereinigten Staaten eigene Bauarten patentieren. Sein Sohn Linus Yale jr. patentierte 1861 ein Stiftschloss mit rundem Schlüssel und 1865 ein Schloss, das ein dünner, flacher Stahlschlüssel mit eingeschnittener Kante öffnet. Die meisten Schließzylinder an heutigen Türen gehen auf diese Bauart zurück.