Ziegel

Genormte Blöcke aus Erde

Datum
um 7.500 v. Chr.
Epoche
Vorgeschichte
Stufe
II Sesshaftigkeit
Schwierigkeit

Tafel

Legende
  1. 1Aufbereiteter Lehm
  2. 2Holzform
  3. 3Trocknende Grünlinge
  4. 4Feuerkanal
  5. 5Eingesetzte Ziegel im Ofen

Anatomie

Der Lehm vom Batzen bis zum trockenen Ziegel, in der Mitte geschnitten: Der dunkle Kern ist noch feuchtBodenlose Holzform mit Griffen, genässt und gesandet, dazu das AbstreichholzFormbrett auf gesandetem TrockenplatzDer Ziegelstreicher nässt die bodenlose Form und bestreut sie mit Sand, wirft einen Batzen gemagerten Lehms so kräftig hinein, dass er in die Ecken dringt, und drückt ihn mit der Hand nach. Der Batzen enthält etwa 8 % mehr Lehm, als die 4,5 Liter der Form fassen, und wiegt rund 10,0 kg. Ein nasses Holz, über den Rand gezogen, streicht den Überschuss ab, der in den nächsten Batzen wandert; dann wird die Form gerade abgehoben, und ein Ziegel von 30 × 15 × 10 cm bleibt auf dem gesandeten Brett. Das Wasser wird hier auf das Gewicht des trockenen Lehms bezogen. Frisch aus der Form ist der Ziegel gesättigt, enthält etwa 21 % Wasser und wiegt rund 9,2 kg. Er trocknet von seinen Flächen her, gleichmäßig schnell, solange sie nass bleiben, und schwindet um das Volumen des Wassers, das er abgibt. Bei etwa 16 % Wasser (14 % des Nassgewichts) berühren sich die Tonkörner: Der Ziegel ist lederhart und schwindet nicht mehr. Im Modell ist das am Tag 3 so weit, dem frühesten, an dem man ihn anfassen kann; dann stellt man ihn hochkant, damit die Luft an alle Flächen kommt. Bis dahin ist er in allen Richtungen um 3 % geschwunden, eine 30-cm-Form ergibt also einen Ziegel von rund 291 mm. Diese Zahlen folgen aus einem einzigen Material: einem trockenen Ziegel von 1,85 kg je Liter aus Mineralkörnern von 2,65 kg je Liter. Das übrige Wasser verlässt die Poren immer langsamer, ohne die Größe zu ändern, und der Ziegel wird dabei heller. Nach etwa 23 Tagen sind neun Zehntel des Wassers fort, das er noch an die Luft abgeben kann; der Ziegel enthält noch 2,5 %, wiegt etwa 7,8 kg und lässt sich stapeln, braucht aber 3 bis 4 Wochen, bis er grobe Behandlung verträgt. Der Überschuss beim Einwerfen, die 1 %, die lufttrockener Lehm behält, und die Grenze für „trocken“ sind Annahmen; die wirklichen Werte hängen vom Lehm, vom Streicher und von der Luftfeuchte ab. Gemeint sind die Tage einer warmen, trockenen Jahreszeit: Schatten und Wind können sie halbieren oder verdoppeln, und Regen verdirbt Ziegel, die noch weich sind. Der dunkle Kern nimmt auf der Schnittfläche denselben Anteil ein wie das Wasser, das noch hinaus muss.

Ein Ziegel ist ein Block aus Lehm oder Ton in festgelegter Größe, an der Sonne getrocknet oder im Ofen gebrannt, sodass sich Mauern aus gleichen, handlichen Einheiten bauen lassen. Geformte Lehmziegel gibt es im Nahen Osten schon vor 7500 v. Chr.; gebrannte Ziegel kamen Jahrtausende später und trugen dann Städte, Aquädukte und Fabrikschornsteine.

Was es ist

Ein Ziegel ist ein kleiner Erdblock von regelmäßiger Form und Größe. Lehmziegel werden nur an der Sonne getrocknet, gebrannte Ziegel kommen in den Ofen, bis der Ton zu harter Keramik wird. Beide werden lagenweise mit Mörtel vermauert, und weil alle Steine gleich groß sind, kann der Baumeister die Mengen im Voraus berechnen und die Schichten waagerecht halten.

Die Tafel zeigt die Arbeit einer Handziegelei vor dem Maschinenzeitalter: aufbereiteten Lehm neben dem Streichtisch, Grünlinge, die in Reihen trocknen, und einen kleinen Ofen mit aufsteigendem Zug im Schnitt.

Wie es funktioniert

Ton besteht aus winzigen, flachen Mineralkörnern. Nass gleiten sie aneinander vorbei, und die Masse lässt sich formen; beim Trocknen entweicht das Wasser zwischen ihnen, die Körner rücken zusammen, und der Block wird hart und schwindet. Reiner Ton schwindet so stark, dass er reißt, deshalb mischen Ziegler Sand, zerstoßene Keramik oder gehäckseltes Stroh bei. Im alten Mesopotamien magerte man meist mit Stroh oder Dung, und eine Schätzung kommt auf etwa 60 kg Stroh je hundert Ziegel.

Eine hölzerne Ziegelform neben einem frisch ausgeformten Lehmziegel mit Häckselstroh Eine bodenlose, innen gesandete Holzform gibt jedem Ziegel dieselbe Größe.

Ein Lehmziegel bleibt so weich, dass er im Wasser wieder zu Schlamm wird; Lehmwände brauchen daher einen Steinsockel, einen weiten Dachüberstand und regelmäßige Pflege. Der Brand verändert den Ton selbst. Die Tonminerale verlieren zunächst das in ihnen gebundene Wasser, und gegen 900 bis 1000 °C beginnen ihre Körner zu versintern. Der gebrannte Ziegel weicht im Wasser nicht mehr auf, und seine meist rote Farbe stammt vom Eisen im Ton.

In einem Ofen mit aufsteigendem Zug wie dem gezeichneten brennt das Feuer in Kanälen am Boden. Die heißen Gase steigen durch einen durchbrochenen Rost und durch die Lücken zwischen den Grünlingen, die gitterartig eingesetzt sind, und entweichen oben. Der Brand muss langsam beginnen: Restwasser im Ton wird zu Dampf, und ein zu schnell erhitzter Ziegel kann reißen oder platzen.

Wie man sie herstellt

Für Lehmziegel braucht man nur geeignete Erde, Wasser, Stroh, eine Form und ein paar trockene Wochen.

Die Erde prüfen. Graben Sie unter dem Mutterboden, der Wurzeln und Humus enthält. Machen Sie einige Probeziegel: Reißen sie beim Trocknen, ist die Erde zu fett und braucht Sand; bröckeln die Kanten, braucht sie mehr Ton.

Mischen und magern. Zerkleinern Sie die Erde, wässern Sie sie und treten Sie Häckselstroh ein, bis ein steifer, klumpenfreier Teig entsteht. Ein Eimer locker eingefülltes Stroh auf fünf Eimer Erde ist ein vernünftiger erster Versuch; passen Sie die Menge nach den Probeziegeln an, denn manche gute Erde braucht wenig oder gar kein Stroh. Lassen Sie den Teig einen Tag abgedeckt ruhen, damit sich das Wasser gleichmäßig verteilt.

Die Form bauen. Verbinden Sie vier Bretter zu einem bodenlosen Rahmen, zum Beispiel mit 30 × 15 × 10 cm Innenmaß, mit Griffen an den Enden. Machen Sie ihn nass und bestreuen Sie ihn mit Sand, damit sich der Lehm löst.

Ziegel streichen. Stellen Sie die Form auf ebenen, gesandeten Boden, werfen Sie einen Lehmbatzen kräftig hinein, damit er die Ecken füllt, streichen Sie die Oberseite mit einem nassen Holz ab und heben Sie die Form senkrecht hoch. Setzen Sie den nächsten Ziegel einen Finger breit daneben.

Trocknen. Schützen Sie die Ziegel in den ersten Tagen vor praller Sonne und Regen und stellen Sie sie dann hochkant, damit Luft an alle Seiten kommt. Je nach Wetter brauchen sie eine bis vier Wochen, bis sie gestapelt werden können; brechen Sie einen Probeziegel auf und prüfen Sie, dass kein dunklerer, feuchter Kern bleibt. Wer gebrannte Ziegel möchte, gibt einige kleine, völlig trockene Proben in eine Töpferwerkstatt und lässt sie dort brennen.

Sicherheit. Ein frischer Lehmziegel wiegt mehrere Kilogramm: Heben Sie mit gebeugten Knien und halten Sie Stapel niedrig und standfest. Trockener Tonstaub enthält feinen Quarz: Befeuchten Sie die Erde vor dem Zerkleinern, reinigen Sie nass statt mit dem Besen und tragen Sie eine gut sitzende FFP2- oder FFP3-Maske, wenn sich Staub nicht vermeiden lässt. Sichern oder verfüllen Sie jede Grube, denn darin sammelt sich Wasser. Das Brennen bringt große Hitze und Rauchgase mit sich; überlassen Sie es geschulten Leuten und brennen Sie nie Ziegel, die noch feucht sind.

Geschichte und Entwicklung

Im Nahen Osten baute man schon im 9. Jahrtausend v. Chr. Wände aus luftgetrocknetem Lehm, und zu den ältesten geformten Lehmziegeln gehören die aus Tell Aswad in Syrien, älter als 7500 v. Chr. In Nemrik im Nordirak bestehen Mauern aus dem 8. Jahrtausend aus langen, zigarrenförmigen Ziegeln von etwa 51 cm. Die Ziegel von Jericho aus dem 8. und 7. Jahrtausend v. Chr. waren von Hand geformt und mit Reihen von Daumenabdrücken versehen, die dem Mörtel Halt gaben.

Ein brotlaibförmiger Lehmziegel aus dem neolithischen Jericho mit zwei Reihen Daumenabdrücken im Fischgrätmuster Handgeformter Ziegel aus Jericho: Die Daumenabdrücke gaben dem Mörtel Halt.

In rechteckigen Holzformen gestrichene Ziegel verbreiten sich im 6. Jahrtausend v. Chr. in Mesopotamien. Gebrannte Ziegel kommen später und bleiben zunächst besonderen Zwecken vorbehalten, weil Brennstoff knapp ist: In Mesopotamien erscheinen sie in der Uruk-Zeit im 4. Jahrtausend v. Chr., manche Autoren datieren die ersten früher, und in China werden sie in Chengtoushan um 4400 v. Chr. hergestellt. Ein sumerischer Text von etwa 2100 v. Chr. beschreibt, wie Gudea, der Herrscher von Lagasch, den Lehm in die Form gibt und den ersten Ziegel eines neuen Tempels heraushebt. Die Städte im Industal bauen ab dem 3. Jahrtausend v. Chr. mit gebrannten Ziegeln von regelmäßiger Größe; viele kommen dem Verhältnis 1:2:4 von Dicke, Breite und Länge nahe, doch die Ausgräber haben mehrere Formate festgestellt.

Ein halbkreisförmiger Ziegelbogen über einer Tür, jeder Ziegel hochkant gestellt, die Fugen zur Mitte gerichtet Im Bogen steht jeder Ziegel hochkant, jede Fuge zeigt zur Mitte, und die Last geht von Stein zu Stein.

Rom stellt im 1. Jahrhundert n. Chr. genormte Ziegel in großer Zahl her, und nach langer Pause greift Nordeuropa im Mittelalter wieder zum Ziegel, dort, wo guter Baustein fehlt.

Die industrielle Ziegelherstellung beginnt im 19. Jahrhundert mit Maschinen, die Ton in Formen pressen. 1858 lässt sich Friedrich Hoffmann einen Ringofen patentieren, der nie auskühlen muss: Das Feuer wandert von Kammer zu Kammer, während die heißen Gase die Ziegel davor trocknen und vorwärmen. Im Ofen von Palmerston North in Neuseeland brauchte das Feuer etwa sechs Wochen für die Runde durch seine vierzehn Kammern. Der metrische britische Normziegel misst 215 × 102,5 × 65 mm.


Einen Namen, ein Datum, ein Material, einen Bereich eingeben…